Reiseinformationen, Politik und Geschichte.
Bhutan Dezember 2011

Am 22. Dezember kam ich zurück aus Bhutan dem sogenannten "Land des Donnerdrachens". Was hatte ich nicht alles gehört und auf Prospekten gesehen über dieses kleine Königreich zwischen Tibet und Indien am Fuße des Himalaya. "Shangrila", wo das Glück und die Zufriedenheit der Menschen wichtiger ist als das steigende Bruttosozialprodukt. Entsprechend hoch waren dann auch meine Erwartungen.
Okay, Dezember ist sicher nicht der beste Monat für eine Bhutanreise, insbesondere nicht wenn man einen Film drehen möchte. Von den 20 Tagen waren dann auch 17 Tage bewölkt, neblig, kalt und windig. Von Bangkok fliegt die Druk Air nach Paro. Der Flug ist beeindruckend, man sieht die Everestregion und den massigen Kantsch und die Landung ist wahrlich spektakulär und nur was für gute Piloten.
Unsere Reise führte entlang der klassischen Touristenroute: Paro - Thimpu - Tongsa - Punakha - Phobjika-Tal - Bhumtang - Jakkar und zurück. In jedem Ort gibt es einen Dzong - eine Art Rathaus in dem Kloster und Verwaltung untergebracht sind - die sind alle ziemlich beeindruckend, wobei der Dzong in Punakha der wohl schönste ist. Wenn man den besichtigt hat, dann hat man eigentlich alle gesehen. Daneben gibt es unzählige private und staatliche Klöster, Tschörten und sonstige bhuddistische Gedenkstätten. Wer schon einmal in Tibet war und dort die Klöster beispielsweise rund um Lhasa besucht hat, der ist in Bhutan ein wenig enttäuscht. Da hatte Tibet meiner Meinung nach mehr zu bieten.
Bhutan besteht zu 70% aus Wald und nicht selten hat man das Gefühl irgendwo auf der Alpensüdseite zu sein, wenn dann nicht Dzongs und Klöster wären. Den Himalayahauptkamm sieht man nur von Aussichtspunkten auf Pässen wenn das Wetter passt. Und das Wetter ist über das ganze Jahr recht labil in Bhutan. Ist auch klar wenn subtropische Luftmassen nach Norden ziehen, dann dampft es in Bhutan oder regnet in Strömen in der Vor- und Nachmonsunzeit. Trekking zu den hohen Bergen unternimmt man im Frühjahr oder Herbst, wenn man das nötige Kleingeld dazu hat.


Immerhin ist ein Tourist in Bhutan nur dann ein guter Tourist wenn er 245 USD am Tag einer Agentur bezahlt. Ohne diese Summe und Agentur kommt man gar nicht ins Land. Davon wird dann die Unterkunft, Essen und Transport - auch während eines Trekking - bezahlt. So kommen beispielsweise für eine Reise 24 Tage mit Trekking 5520 USD ab/bis Paro zusammen. Ein stolzer Preis, wenn man bedenkt, dass in den Mittelklassehotels in der Regel Essen und Unterkunft eher bescheiden sind. Wenn ich das mit Pakistan vergleiche, dann werden dort Touristen für ihr Geld geradezu verwöhnt. Der Standard und vor allem das Essen ist dort um einiges besser.
Der Aufenthalt einer Gruppenreisen in Bhutan ist bedingt durch die Hochpreispolitik relativ kurz. 7 Tage Aufenthalt ist die Regel und die Touristen grasen dann alle die gleichen Sehenswürdigkeitsroute ab. Beliebt ist Bhutan darum anscheinend auch bei Weltreisen. Ich traf Amerikaner, die nach 4 Tagen Bhutan schon nicht mehr wussten wo sie am 1 Tag waren. Im Grunde interessierten sie sich ziemlich wenig für Bhutan, aber sie waren halt dort. Ökologisch betrachtet sind solche Kurzreisen die reine Katastrophe und haben mit "sanftem Tourismus" absolut nichts zu tun. Für die Veranstalter hingegen ist es ein gutes Geschäft.
Bhutan hat zur Zeit noch ein super Image durch eine exzellente Marketingstrategie. Klischees von "Shangrila" und Glück werden in Prospekten sorgsam gepflegt. Derweil entstehen an jeder Ecke neue Hotels und moderne Wohnhäuser und Müll wohin das Auge blickt. Der Hochpreistourismus bring viel Geld ins Land und eine gewisse Schicht profitiert nicht schlecht davon. Daneben wirken dann solche Sätze wie "Glück ist wichtiger als das Bruttosozialprodukt" oder "achte auf Deine Umwelt" etwas merkwürdig. Im übrigen gab es die letzten Jahre auch kein Limit mehr bezüglich der Anzahl Touristen die ins Land gelassen werden und für die nächsten 2 Jahre wird die Verdopplung der Touristenaufenthalte angestrebt.
Mein ganz persönliches Fazit:
Bhutan ist noch nicht ganz durch Profitgier und Massentourismus zerstört. Wer subtropischen Wald und den tantrischen Buddhismus liebt und dazu das nötige Kleingeld hat, der sollte sich aber bald in das kleine Königreich aufmachen. Wer hingegen die hohen Berge abseits der Touristenpfade bevorzugt und dabei eine vom Tourismusgeschäft unverdorbene, ehrliche Gastfreundschaft und Lebensweise schätzt, für den gibt es wahrlich lohnendere Ziele.
Wichtig: Wie ich aus sicherer Quelle erfahren habe werden von den 245 USD die pro Tag von den Agenturen in Bhutan kassiert werden 65 USD an das "Ministerium für Bildung und Gesundheit" abgeführt. Damit hat dann praktisch jeder Tourist seinen Beitrag zur Entwicklung Bhutans beigetragen. Dies ist im Grunde nicht schlecht, wenn es dann wirklich angeblich keine Korruption gibt in dem kleinen Himalayastaat.
Dies hat mir Bart Jordans geschrieben, er ist Autor des eines Trekkingführers: "Bhuntan A Trekker's Guide" (Cicerone Press 2nd Edition 2008)

___________________________________________________________
Aktuelles in Kurzform:
Es gibt nicht viel neues zu berichten aus Nordpakistan. Die Masse der Touristen hielt sich auch 2011 Dank des schlechten Image wieder von Pakistan fern. Denn wer nach Pakistan reist, der hat sich in der Regel mit dem Land ausgiebig beschäftigt und kommt nicht nur für 1 Woche. Die meisten Touristen halten sich mindestens 19 Tage im Land auf und kommen in der Regel zum Trekking und weniger zum Sightseeing. Und das ist eigentlich auch gut so!
Es war eine ruhige Saison 2011. Der Karakorum-Highway zwischen Gilgit und Hunza ist nun endlich asphaltiert. Den Stausee zwischen Attabad und Passu gibt es immer noch und daran wird sich in absehbarer Zeit auch nichts ändern. Momentan fällt der Pegel wieder deutlich, denn der Abfluss wird immer mal wieder erweitert. Aber das reicht nicht um den Karakorum-Highway wieder aus den Fluten aufsteigen zu lassen.
Die Chinesen werden in der nächsten Zeit sicher keine neue Straße in den Fels bauen - darauf hat man ja spekuliert - doch das ist einfach zu teuer. Und ich habe den Verdacht, dass es einige Staaten gibt, die es gar nicht so verkehrt finden, dass der Karakorum-Highway unterbrochen ist, vielleicht auch aus strategischen Gründen.
Die Wakhis und Hunzukutz lernen mit dem See zu leben. In Hussainabad und Attabad entstehen immer mehr einfache Hotels und Restaurants, denn es gibt viele Arbeiter um die Waren der Trucks auf Boote umzuladen, aber auch für Touristen und durchreisende "Geschäftsleute" die auf dem Wege nach Kashgar sind. Die Bootsfahrt kostet pro Person ca. 500 Rupien, ein ganzes Boot zwischen 7 und 10.000 Rupien und der Bootsverkehr ist ein einträgliches Geschäft geworden. Sogar neue Boote werden inzwischen in Gulmit gefertigt, dafür sind Bootsbauer aus dem Sindh nach Gojal gekommen.
Sämtliche Reisen des Veranstalters Hauser-Exkursionen München fanden statt. Die K-2 Concordia Touren waren sogar ausgebucht. Nanga-Parbat und Karakorum-Patundas wurden ebenfalls erfolgreich durchgeführt.
Nach Jahren der Stagnation habe ich das Gefühl, dass es touristisch in Nordpakistan wieder ein wenig aufwärts geht.




Eine alte Geschichte: Der Kashmir Konflikt
Der Staat Jammu/Kashmir, dazu
gehört auch Ladakh, war vor der Unabhängigkeit Indiens
der größte Fürstenstaat Indiens. Am 16. März
1846 wurde der Hindu-Fürst Radja Gulab Singh in Srinagar zum Maharadscha
ernannt, und damit zum neuen Herrscher über Kashmir. Die Briten
halfen ihm dabei, denn Gulab Singh war ihnen devot ergeben. Doch
damit war ein großer Konflikt vorprogrammiert, denn in Kashmir
mit seiner Hauptstadt Srinagar, leben 80% der Bevölkerung nach
dem muslimischen Glauben, der Rest besteht aus Hindus und Buddhisten.
Nun kam durch die Unterstützung der Briten ein Hindufürst
an die Macht, der ausschließlich die Interessen der zumeist reichen
hinduistischen Kaste vertrat und dies mit einer despotischen Herrschaft
zeigte. Millionen von Moslems fühlten sich mit der Zeit dadurch
benachteiligt.
Die
Engländer gründeten 1858 die indische Kronkolonie,
und ein britischer Vizekönig und Generalgouverneur regierte
für fast 100 Jahre Indien und Kashmir. Doch dann, in Folge
des verheerenden Krieges gegen Hitlerdeutschland, konnten die Briten
ihre Kronkolonie nicht mehr halten und um Mitternacht des 14.August
1947 wurde Indien unabhängig. Lord Mountbatten, der letzte
Vizekönig und Generalgouverneur, legte jedoch zuvor fest, daß
sich sämtliche Fürstenstaaten bis zum Unabhängigkeitstag
entscheiden sollten: entweder für den neuen muslimischen Staat
Pakistan oder für das hinduistisch orientierte Indien, denn mit
der Auflösung British-Indiens sollten sich zwei unabhängige
Staaten formieren, eine Teilung nach dem Prinzip der konfessionellen
Zusammensetzung der Bevölkerung. Den 600 Fürstenstaaten Indiens
stand es frei, sich für Indien oder Pakistan zu entscheiden. Sie
entschieden sich fast alle für die ein oder andere Seite bis zum
Unabhängigkeitstag, nur drei kamen letztlich zu keinem Ergebnis:
Junagadh, Hyderabad und Kashmir.
Wie
schon erwähnt, die Bevölkerung Kashmirs ist zu 80% muslimisch
orientiert. Der Name Kashmir ist außerdem Bestandteil der Idee
des Staates Pakistan. Der Buchstabe „K“ im Namen Pakistan steht für
Kashmir.
Der
zuletzt regierende Maharadscha Hari Singh sah sich schon vor der
Unabhängigkeit zunehmendem innerpolitischen Druck ausgesetzt,
denn die Briten unterstützten ihn nicht mehr. Bereits im
März 1947 waren Bestrebungen im Gange, Singh zu stürzen.
Am 12.August 1947 verhandelte er ein Stillhalteabkommen mit den muslimischen
Führern, was von Indien jedoch falsch interpretiert und darum
nicht akzeptiert wurde. Am 14.August 1947 gründete sich Pakistan
als unabhängiger Staat. Am 3.Oktober 1947 wurde Hari Singh auf
einer Muslimkonferenz in Rawalpindi seines Amtes als Maharadscha von
Kashmir enthoben. Am 22.Oktober 1947 marschierten pakistanische Elitetruppen
in Muzaffarabad ein, um Kashmir zu befreien. Am 24.Oktober wurde in
Rawalpindi eine Gegenregierung zu der des Maharadscha in Srinagar gegründet,
die Regierung von Azad-Kashmir. Mujahedin marschierten von Rawalpindi
aus in den „heiligen Krieg“. Als die muslimischen Truppen bereits 30
km vor Srinagar standen, floh Hari Singh nach Delhi und unterzeichnete
am 26.Oktober 1947 noch schnell die Beitrittsurkunde zu Indien, selbstverständlich
nur aus dem Grunde, um sich an der Macht zu halten. Sofort, nachdem
diese Urkunde unterschrieben war, schickte der indische Ministerpräsident
Nehru, selbst reicher Kashmiri hinduistischer Weltanschauung, seine
Elitetruppen nach Srinagar und der erste pakistanisch-indische Krieg
begann. Ende 1948 wurde, unter der Vermittlung des UN-Sicherheitsrates,
der Verlauf der Waffenstillstandslinie festgelegt, die bis heute
die nördliche Grenze von Lahore bis hinauf zum Siachengletscher
zwischen Indien und Pakistan markiert, und die seitdem von den Vereinten
Nationen überwacht wird.
Kashmir
ist bis heute der Zankapfel zwischen Indien und Pakistan, denn
Indien beruft sich stur auf den Beitritt des Maharadschas Hari
Singh und auf die formelle Annahme des Beitritts durch den Vizekönig
Lord Mountbatten. Doch genaugenommen teilte dieser am 27.Oktober
1947 in einem Brief an die indische Regierung mit, daß der Beitritt
nur dann Gültigkeit habe, wenn es zu einer Volksabstimmung (Plebiszit)
käme. Bis heute verweigerte Indien vehement freie Wahlen,
denn sie wissen genau, was dabei herauskommen würde. 1964 brach
dann der zweite Krieg über Kashmir zwischen Indien und Pakistan
aus, der diesmal nur 17 Tage dauerte, denn dann mußte Pakistan
kapitulieren und eine demütigende Niederlage einstecken. 1966
verpflichteten sich dann beide Staaten auf einer Konferenz in Tashkent,
in Zukunft das Kashmirproblem auf friedlichem Wege zu lösen.
Doch schon am 12.Dezember 1971 ging es wieder los, der dritte pakistanisch-indische
Krieg, diesmal war der Grund allerdings nicht Kashmir, sondern
Ostpakistan (Bengalen). Wieder verlor Pakistan in nur 12 Tagen, diesmal
aber fast die Hälfte seiner Armee. Ostpakistan wurde danach
zu einem eigenen Staat, Bangladesch.
1974
wurde Azad-Kashmir von Präsident Bhutto offiziell als fünfte
Provinz Pakistans bezeichnet. Ali Bhutto besiegelte damit endgültig
die Teilung Kashmirs, zum Ärger vieler Pakistani, deren Verwandtschaft
dort lebte. Darum wurde der Vorgang dann auch später wieder
zurückgenommen, und Azad-Kashmir erhielt ebenso wie die
Northern-Areas einen vorläufigen Sonderstatus und ist direkt
der Zentralregierung in Islamabad unterstellt.
Im
indischen Teil Kashmirs sind freie Wahlen bis heute gewaltsam verhindert
worden, und die muslimische Bevölkerung fühlt sich durch
politische Mißstände tief gedemütigt. Subventionen
aus Delhi für Kashmir flossen in den ersten Jahren ausnahmslos
in die Taschen reicher Hindus, die islamische Bevölkerung wurde
politisch übergangen und fand kein Gehör für ihre
Belange. Daraus resultierend formierte sich Wiederstand, die erste
Organisation zur Befreiung Kashmirs gründete sich in den 70er
Jahren in Srinagar. Die Fronten verhärteten sich immer mehr mit
den Jahren und Indien fiel nichts besseres ein als massiv mit Truppen
Kashmir zu besetzen und die Bevölkerung zu unterdrücken.
Ausgangssperre, Hausdurchsuchungen, willkürliche Festnahmen, Standgerichte,
Folter, Unterdrückung und Willkür der indischen Soldaten
gegen die Zivilbevölkerung gehören leider im indischen Kashmir
mittlerweile zum täglichen Leben, ein normales Leben ist im indischen
Teil von Kashmir schon lange nicht mehr möglich.
Wohlgemerkt im indischen Teil Kashmirs.
Im pakistanischen Teil in den Northern-Areas (Baltistan, Hunza, Gilgit,
Chilas) gab es in den letzten 25 Jahren in denen ich dort jedes Jahr
weilte, nie irgendwelche Probleme. Die Auseinandersetzungen finden ausnahmslos
an der unmittelbaren Grenze zwischen Indien und Pakistan (Waffenstillstandslinie)
statt.
Achtung:
"Eine Gewähr für die Richtigkeit
und Vollständigkeit sowie eine Haftung für eventuell
eintretende Schäden
kann nicht übernommen werden. Gefahrenlagen
sind oft unübersichtlich und können sich rasch ändern".
So schreibt das Auswärtige Amt
am Schluß in seinen Reisehinweisen zu den einzelnen Ländern.
Dies gilt selbstverständlich auch
für meine Reiseinfos.
(Home) (Videos) (Reiseführer) (Diavorträge) (Trekkingtouren) (Gleitschirmtour) ( Biografie )